300 sind auf der ersten Wir-haben-es-satt!-Demo in Mainz auf die Straße gegangen

Beginn der DemoNach einer ersten Aktion vor dem Landwirtschaftsministerium im März haben die AbL Rheinland-Pfalz/Saarland und die Solidarische Landwirtschaft Mainz anlässlich der vom 25. bis 27. September tagenden Agrarministerkonferenz in Mainz die erste Mainzer Wir-haben-es-satt!-Demo mit der Unterstützung von attac, BUND, Extinction Rebellion, Fridays for Future und anderen organisiert.

Franziska JockersAm Hauptbahnhof ging‘s los mit dem Aufruf von Franziska Jockers von der Solawi Mainz: „Wir sind: Bäuer*innen, Gemüsegärtner*innen, Imker*innen und Lebensmittelverarbeiter*innen, die in ihrer Existenz bedroht sind, weil sie nicht in das Raster der Marktwirtschaft passen, Menschen, die eine ökologische, sozial und selbstbestimmte Ernährung fordern, Menschen, die sich für die Vereinbarkeit von Naturschutz und Gesellschaft einsetzen, Aktivist*innen, die sich für faire Erzeuger*innenpreise einsetzen, damit tarifvertraglich abgesicherte Arbeitsbedingungen und Löhne in der Landwirtschaft geschaffen werden können.“

Rald WeyIhr folgte der Landesvorsitzende der AbL Rheinland-Pfalz/Saarland, Ralf Wey, dessen Schlusssatz „Ich will einfach Bauer bleiben!“ angesichts seiner Schilderung der Entwicklung der Erzeugerpreise und der Rahmenbedingungen für eine bäuerliche Landwirtschaft einer Maximalforderung gleichkommt.

Bei der Zwischenkundgebung beim parallel stattfindenden „Parking Day“ forderte die BUND-Landesvorsitzende Sabine Yacoub „einen grundlegenden Wandel“ im Hinblick auf die Landwirtschaft: „Lebensmittel dürfen nicht mehr als Handelsware betrachtet werden. Lebensmittelproduktion ist Daseinsvorsorge. Bäuerinnen und Bauern müssen entsprechend honoriert werden, damit sie gesunde Lebensmittel produzieren, die Artenvielfalt erhalten und das Klima schützen können.“ Gute Stimmung und Parolen dann auf unserm Zug durch die Stadt: „Was wollten wir nie? – Agrarindustrie!“, „Her mit euren Geldern – für Vielfalt auf den Feldern“, „Eure Interessen – nicht über unser Essen!“ und natürlich „Power to the Bauer!“.

Auf der Schlusskundgebung forderte Gernot Klöckner von attac, der auf die Freihandelspolitik als Fluchtverursacherin und Umweltzerstörerin einging: „Um eine nachhaltige ökologische Ernährung, um Klima und Menschenrechte zu schützen und eine konzerngetriebene Handelspolitik zu verhindern, müssen wir das EU-Mercosur-Abkommen verhindern!“

Georg JanßenDie Hauptrede hielt Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der AbL. Er berichtete von der erfolgreichen Hafenblockade in Brake und forderte von der Agrarministerkonferenz „ein klares Nein zum EU-Mercosur-Abkommen“. Aber auf der AMK-Tagesordnung steht auch die Reform der EU-Agrarpolitik. Georg Janßen forderte Frau Klöckner und die anderen Landwirtschaftsminister*innen auf, den blumigen Erklärungen endlich konkrete Beschlüsse folgen zu lassen: „Sorgen Sie dafür, dass die Bäuerinnen und Bauern bei der EU-Agrarreform Direktzahlungen bekommen für vielfältige Fruchtfolgen, kleinere Schläge, Verzicht auf Totalherbizide, für den Anbau von einheimischen Eiweißpflanzen, für Weidehaltung der Nutztiere, für Strohhaltung im Stall und mehr Platz für die Tiere! Das ist es, was die Gesellschaft will und wozu wir von bäuerlicher Seite bereit sind, wenn dafür die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gesetzt werden.“

Auf dem Platz der Schlusskundgebung hatte Talley Hoban schon mit Helfer*innen Gemüse und Obst der beteiligten Betriebe und Brot vom Foodsharing Mainz vorbereitet. Es gab Eintopf und Obst als Nachtisch. Noch bis weit nach 17 Uhr saßen die Menschen zusammen bei gutem Essen und guten Gesprächen. Und nächstes Jahr machen wir das wieder.

Demonstration für eine klimafreundliche Landwirtschaft - Artikel und Hörfunkbeitrag vom Deutschlandfunk


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